„Alkohol ist gesellschaftlich fest verankert – von der Feier im Kollegenkreis bis zum vermeintlich harmlosen Feierabendritual“, erläuterte sie. „Die Grenze zwischen kontrolliertem Genuss und beginnender Abhängigkeit verläuft oft schleichend.“ Frau Dr. Oji zeichnete zunächst die Geschichte des Alkoholkonsums nach, um anschließend aktuelle Zahlen zu beleuchten, benannte heutige Empfehlungen zum Konsum und diskutierte im gemeinsamen Gespräch mit den Teilnehmenden alkoholverbundene Risiken.
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags lag auf der gemeinsamen Verantwortung von Klinik und Praxis, risikoreichen Konsum und Abhängigkeiten zu erkennen, Betroffene zu sensibilisieren und niedrigschwellige Hilfsangebote zu machen. Ebenso wurden die Möglichkeiten spezifischer therapeutischer Versorgungen Betroffener dargestellt. „Riskanter Alkoholkonsum ist weit verbreitet und mit vielen gesundheitlichen Gefahren verbunden. Umso wichtiger ist es, dass wir frühzeitig und regelmäßig im ambulanten und stationären Sektor Hilfen anbieten und den Behandlungsprozess gemeinsam mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen gestalten“, verdeutlichte Frau Dr. Oji. „Gerade im Bereich der Alkoholabhängigkeit erhöht eine qualifizierte, spezialisierte und gut vernetzte Behandlung die Chancen auf eine nachhaltige Stabilisierung unserer Patientinnen und Patienten erheblich.“ Dabei stellte sie die spezifischen Angebote des St. Rochus-Hospitals – von qualifizierter Entzugsbehandlung über stationäre und teilstationäre Therapieangebote bis hin zur Übergabe in ambulante Strukturen – in ihrem Zusammenspiel mit der vertragsärztlichen Versorgung dar.
Die Bedeutung dieses strukturierten Miteinanders im Sinne der Patientinnen und Patienten unterstreicht auch Prof. Dr. med. Matthias Rothermundt, Ärztlicher Direktor des St. Rochus-Hospitals und Chefarzt für Allgemeinpsychiatrie und -psychotherapie I, der die Vortragsreihe initiiert hat: „Mit ‚Psychiatrie im Dialog‘ schaffen wir bewusst ein Forum, in dem klinische Perspektiven und Erfahrungen aus der Niederlassung zusammenkommen“, so Prof. Dr. Rothermundt. „Für eine verlässliche, sektorenübergreifende Versorgung in der Psychiatrie ist die enge Vernetzung zwischen dem St. Rochus-Hospital und den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen entscheidend. Der regelmäßige fachliche Austausch hilft uns, Behandlungswege zu klären, Schnittstellen zu verbessern und letztlich Versorgungslücken zu vermeiden.“
Die Vortragsreihe „Psychiatrie im Dialog“ richtet sich gezielt an niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten aus der Region und greift Themen auf, die in der täglichen Versorgungspraxis eine besondere Rolle spielen. Im Herbst wird die Reihe mit einem Vortrag von Stefanie Oberfeld, Chefärztin der Abteilung für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie, zum Thema „Einsamkeit: Kein ICD-Code, aber klinisch bedeutsam“ fortgesetzt. Dabei wird es unter anderem um die klinische Relevanz von Einsamkeit im höheren Lebensalter, deren Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen sowie um Möglichkeiten der Früherkennung und Intervention aus fachlicher Perspektive gehen.



