Zukunftssicherung durch Landesförderung
„Die Gesamtkosten für die Entstehung des Gerontopsychiatrischen Zentrums und vorausgehende Neustrukturierungen auf dem Hospitalgelände, wie etwa Umzüge ganzer Fachbereiche, Rück-, Um- und Neubauten, belaufen sich auf etwa 30,6 Millionen Euro. Mit dieser Investition sichern wir die Zukunftsfähigkeit unseres Hauses und setzen gleichzeitig ein deutliches Zeichen für die Versorgungssicherheit in der Region", erklärt Daniel Freese, Geschäftsführer des St. Rochus-Hospitals. Die Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen ermögliche es, ein Vorhaben umzusetzen, das angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels im Gesundheitswesen von strategischer Bedeutung sei: „Wir verbessern damit die Bedingungen für die Behandlung unserer Patientinnen und Patienten und zugleich die Arbeitsstrukturen für unsere Mitarbeitenden."
Qualitative Weiterentwicklung der Versorgung
Das neue Zentrum wird mit 54 Betten ausgestattet sein, was auch der bisherigen Kapazität im gerontopsychiatrischen Bereich entspricht. Der Fokus beim Neu- und Umbau des Zentrums liegt somit vielmehr auf einer qualitativen Weiterentwicklung der Versorgung: Moderne Raumkonzepte, die optimierte Behandlungsabläufe ermöglichen und eine vereinfachte Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Fachdisziplinen fördern, werden dazu beitragen, die Behandlungsqualität auf ein neues Niveau zu heben.
Bündelung von Kompetenzen und innovative Therapiekonzepte
Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Vernetzung mit externen Partnern. Das neue Zentrum ermöglicht eine noch engere Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten, Psychologen, Psychotherapeuten, mit Notfallpraxen und dem Rettungsdienst sowie mit den somatischen Kliniken im Umfeld – insbesondere mit den geriatrischen Versorgern. Auch Selbsthilfegruppen, Verbände wie die Alzheimergesellschaft, Ehrenamtliche und externe Sozialdienste werden stärker in die Versorgungsstrukturen eingebunden. Neue telemedizinische Möglichkeiten sollen dabei eine schnelle und unkomplizierte Kommunikation ermöglichen. „Durch die Telemedizin können wir beispielsweise Pflegeeinrichtungen gezielt dabei unterstützen, ihre Bewohnerinnen und Bewohner vor Ort zu versorgen und diesen so einen belastenden Ortswechsel ersparen", erklärt Prof. Dr. Matthias Rothermundt, Ärztlicher Direktor des Hospitals. Diese enge Zusammenarbeit soll dazu beitragen, stationäre Aufenthalte im Sinne der Erkrankten zu verkürzen oder, wenn möglich, sogar zu vermeiden.
Architektur als Teil des Genesungsprozesses
Ein zentrales Element des Konzepts ist die Erkenntnis, dass Krankenhausarchitektur als bebaute Umwelt angesehen werden kann, die psychisch erkrankte Menschen in nahezu allen Aspekten ihres stationären Aufenthaltes beeinflusst und damit unmittelbar auf den Genesungsprozess einwirkt. Bei der Planung des Gerontopsychiatrischen Zentrums wurde daher konsequent von den Bedürfnissen älterer Menschen mit kognitiven Einschränkungen ausgegangen. Klare Kontraste in der optischen Gestaltung, eindeutige Farbkonzepte und ein durchdachtes Leitsystem sollen die Orientierung erleichtern. Die Gebäudegestaltung erfolgt transparent und einfach, mit klaren Linien und nachvollziehbaren räumlichen Bezügen, sodass auch Patientinnen und Patienten mit Hilfsmitteln wie Rollatoren oder Rollstühlen einen deutlich größeren Bewegungsradius haben.
Wohnküche als sozialer Treffpunkt
Im Herzen des neuen Zentrums entsteht eine offene Wohnküche als sozialer Treffpunkt. Sie soll als Ort der Begegnung fungieren, an dem Sinneseindrücke (wieder-)geweckt und soziale Interaktionen gefördert werden. Daneben sind differenzierte Raumzonen geplant, die unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden: Bereiche für Aktivität und Bewegung ebenso wie Rückzugsorte für Ruhe und Entspannung. Große Fenster und ein spezielles Lichtkonzept unterstützen zudem den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus der Patientinnen und Patienten.
Therapeutische Vielfalt und adjuvante Verfahren
Stefanie Oberfeld, Chefärztin des Fachbereichs Gerontopsychiatrie, betont die therapeutischen Möglichkeiten, die sich durch die großzügigere Raumgestaltung eröffnen: „Bewegungstherapie ist neben der Gesprächstherapie ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Sie hilft bei Schlafstörungen, Unruhe, Impulsstörungen und depressivem Rückzug und trägt maßgeblich dazu bei, den Einsatz von Psychopharmaka zu reduzieren." Die neuen Räumlichkeiten ermöglichten künftig ein breites Spektrum adjuvanter Therapieverfahren – von Tanztherapie bis hin zu Achtsamkeitsübungen und Ergotherapie. Alle diese Angebote seien dann dank integrierter Therapieräume sowie einem Fitnessraum auf kurzem Wege erreichbar.
Einbindung von Angehörigen und unterstützende Strukturen
Besondere Aufmerksamkeit widmet das Konzept auch der Einbindung von Angehörigen. Ein separater Aufenthaltsbereich ermöglicht es Bezugspersonen, in der Nähe ihrer erkrankten Familienmitglieder zu bleiben und in belastenden Situationen aufgefangen zu werden. Im Erdgeschoss werden die Patientenzimmer von außen zugänglich sein, sodass Besuche auch dann möglich bleiben, wenn aus therapeutischen Gründen Zugangsbeschränkungen gelten. Für besondere Situationen, etwa bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Betreuungsbedarf oder in ihrer letzten Lebensphase, entsteht zudem ein Raum, in dem Angehörige übernachten können.
Ein zusätzlicher Schulungsraum bietet Platz für Selbsthilfegruppen und ermöglicht es, Patientinnen und Patienten sowie pflegende Angehörige bereits während der laufenden Behandlung an unterstützende Strukturen heranzuführen. Diese frühzeitige Einbindung in Schulungskurse und Gesprächsgruppen verbessert nachweislich das Behandlungsergebnis.
Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit im Fokus
Das neue Gerontopsychiatrische Zentrum am St. Rochus-Hospital wird nach einem umfassend nachhaltigen Konzept errichtet. Holz als nachwachsender Rohstoff spielt eine zentrale Rolle und wird für Decken, Wände und Fassaden verwendet. Generell kommen klimaneutrale Materialien zum Einsatz, die das Raumklima positiv beeinflussen. Eine Wärmepumpe mit Erdsonden sorgt für eine effiziente und umweltfreundliche Heizung und Kühlung, während LED-Beleuchtung den Energieverbrauch reduziert.
Eine Dachbegrünung dient als Puffer für Starkregen und unterstützt die natürliche Kühlung des Gebäudes. Zusätzlich wird eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach installiert, um erneuerbare Energie zu gewinnen. Diese Maßnahmen und viele weitere nachhaltige Ansätze machen das Zentrum zu einem zukunftsweisenden Bauprojekt, das ökologische Verantwortung mit den Bedürfnissen der Patient:innen verbindet.
Mitarbeitendeneinbindung und Informationsmaßnahmen
Matthias Schulte, Pflegedirektor des St. Rochus-Hospitals, hebt hervor, wie eng die Mitarbeitenden von Beginn an in die Planungen des Gerontopsychiatrischen Zentrums eingebunden waren: „Wir haben gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus allen an der Versorgung älterer Patientinnen und Patienten beteiligten Fachbereichen ein Konzept entwickelt. Es war uns wichtig, die Kompetenzen und Erfahrungen derjenigen zu nutzen, die täglich mit unseren Patientinnen und Patienten interagieren." Diese partizipative Herangehensweise sichere zum einen praxistaugliche Lösungen und fördere zum anderen auch die Akzeptanz für die bevorstehenden Veränderungen. Am 14. Januar 2026 wurden alle Mitarbeitenden des Hospitals in einer großen Informationsveranstaltung über die Details des Projekts informiert. Ein Bautagebuch wird darüber hinaus künftig Mitarbeitende, Nachbarn der Fachklinik und die interessierte Öffentlichkeit regelmäßig über den Fortgang der Arbeiten auf dem Laufenden halten.
Zeitplan und Bauphasen
Der zeitliche Fahrplan des Großprojekts ist ambitioniert, aber realistisch: Aktuell laufen die Planungen und Genehmigungsverfahren. Im ersten Quartal 2027 beginnt der Rückbau der Landwirtschaft auf dem Gelände, gefolgt von einem Neubau der Werkstätten und des Technikbereiches sowie dem Rückbau des alten Personalwohnheimes im zweiten Quartal desselben Jahres. Der eigentliche Neubau des Gerontopsychiatrischen Zentrums startet Anfang 2028, die alten Werkstätten werden im Frühjahr 2028 zurückgebaut. Für das erste Quartal 2031 ist die Fertigstellung und der Bezug vom Neubau des Gerontopsychiatrischen Zentrums vorgesehen. Anschließend beginnt der Umbau von zwei der drei bisherigen gerontopsychiatrischen Stationen, deren Patientinnen und Patienten vorab bereits in den Neubau einziehen. Die aktuell dritte gerontopsychiatrische Station bleibt so lange in Betrieb, bis die Umbauarbeiten abgeschlossen sind. Die vollständige Fertigstellung des gesamten Gerontopsychiatrischen Zentrums ist für Anfang 2032 geplant.
Vernetzung und Kooperationen
Parallel zu diesen Maßnahmen finden weitere Umstrukturierungen auf dem Gelände des St. Rochus-Hospitals statt. So erhält beispielsweise das Tagesstrukturierende Zentrum des Wohnbereichs St. Benedikt, in dem die Bewohnerinnen und Bewohner arbeiten und ihre Freizeit verbringen, neue Räumlichkeiten. Zudem zieht die Institutsambulanz aus dem Hauptgebäude des Hospitals in die modernisierten Räumlichkeiten des ehemaligen Wohnbereichs der Mauritzer Franziskanerinnen um und verfügt somit fortan über einen separaten Eingang. So entsteht eine klare räumliche Trennung von stationärem und ambulantem Bereich. Der fachliche Austausch der multiprofessionellen Teams bleibt unverändert bestehen.
Optimale Versorgung während der Bauphase
Eine sorgfältige Planung des Großprojektes wird sicherstellen, dass der laufende Klinikbetrieb während der mehrjährigen Neu- und Umbauphase so wenig wie möglich beeinträchtigt wird. „Wir legen großen Wert darauf, unsere Patientinnen und Patienten während der gesamten Bauzeit optimal versorgen zu können", betont Geschäftsführer Daniel Freese.
Ein Kompetenzzentrum für die Zukunft
Mit dem neuen Gerontopsychiatrischen Zentrum reagiert das St. Rochus-Hospital auf die wachsenden Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft. Psychische Erkrankungen im Alter, allen voran Demenzerkrankungen, aber auch Depressionen und Angststörungen, nehmen zu und erfordern spezialisierte Behandlungskonzepte. Das Telgter Fachkrankenhaus positioniert sich mit diesem Projekt als Kompetenzzentrum, das moderne Medizin, innovative Architektur und eine menschenzugewandte Versorgungsphilosophie verbindet. Die Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen unterstreicht die überregionale Bedeutung des Vorhabens für die psychiatrische Versorgungslandschaft.




